musikreviews Juni 2010 über Astrum et Abyssum:

Nanu, hat Doro Pesch ein neues Projekt am laufen? Das war tatsächlich mein Gedanke, nach den ersten Klängen von "Ritual", dem aktuellen Album von ASTRUM ET ABYSSUM. Wenn man dem Gesang von Beate Scherer dann etwas länger lauscht, merkt man schon, dass ihre Stimme etwas klarer ist als Doros. Wenn sie allerdings die Vokale lang zieht, wie es auch Doro so gut beherrscht, klingen die beiden ziemlich ähnlich.
Nun, wie auch immer, ASTRUM ET ABYSSUM haben außer dem Metal keine Berührungspunkte mit Frau Pesch. Die aus dem Rhein-Neckar-Kreis stammende Band nennt ihren Stil Ethno Metal, was daher kommt, dass immer wieder Elemente aus der amerikanischen, afrikanischen und australischen Kultur in den Sound integriert werden. Mit dem Didgeridoo, dem traditionellen Blasinstrument der Aborigenes, haben sie ein Instrument in ihren Reihen, das sie von anderen Bands abhebt. Und auch bei den Percussions werden Trommeln aus den genannten Kulturen eingesetzt.

Die Musik kann man aber astrein als Metal bezeichnen. Die Texte sind deutsch und haben oft kritische und nachdenkliche Lyrics. Ich fühle mich desöfteren an deutsch gesungene Stücke von WARLOCK oder DORO erinnert, was einerseits an Beates Gesang liegt, aber auch an den gelegentlichen Einflüssen des klassischen Heavy Metal, der sich besonders beim Riffing hervortut. Durch den Einsatz der Percussions und des Didgeridoo verfliegen aber diese Remineszensen schnell wieder. Ich finde den Sound von ASTRUM ET ABYSSUM momentan sogar einzigartig – zumindest ist mir bislang keine ähnlich gelagerte Band untergekommen.
Auch das Songwriting kann sich sehen respektive hören lassen. ASTRUM ET ABYSSUM gelingt die Vereinigung aus Metal und den verwendeten traditionellen Instrumenten bestens. Die Stücke haben eingängige Hooklines und einprägsame Melodien. Die Balance aus energiereichen Nummern, atmosphärischeren Songs und emotionalen oder tiefgründigen Klängen ist gut gewählt. Der wuchtige Albumeinstieg "Drachenherz", das stimmungsvolle "Dornennaht", die Ballade "Nacht ohne Zeugen", das ebenso druckvolle wie tiefschürfende "Hochzeitstanz", das vielschichtige "Helden" und das vielseitige Instrumental "Abyssus" sind meine favorisierten Tracks. Insgesamt wird aber ein gleichbleibend gutes Songniveau gehalten.

FAZIT: Eine ungewöhnliche Unterart des Metal für Leute, die kleinen musikalischen Experimenten und einer Vermischung fremdartiger Elemente gegenüber aufgeschlossen sind. ASTRUM ET ABYSSUM liefern auf diesem Gebiet eine beeindruckende Leistung ab, und beweisen mit "Ritual", dass es im Metal eigentlich keinerlei soundlichen Einschränkungen und musikalischen Tabus gibt.